Partnerverein von
Animal Care Austria für Ungarn

Nani

Liebe Frau Winkels-Kolinko!

Ich habe Ihnen zwar versprochen, Ihnen den Text zu schicken, den ich an Nanis drittem Tag bei mir meinen Freunden geschickt habe, aber dann ist das doch wieder in Vergessenheit geraten. - Bitte entschuldigen Sie die Verzögerung! Dafür schicke ich Ihnen heute gleich zwei Mails "von Nani" und hoffe, Sie können etwas damit anfangen! Wie es uns miteinander geht, können Sie aus den Texten ganz leicht entnehmen!

vielen Dank für alles und liebe Grüße

Evi Rieder
Mail vom 30. 7. 2013:

Darf ich mich vorstellen? 

Mein Name ist Nani (Oder Nanuschka, oder Nanoula oder Koritsula oder Mikruzula oder Mädelchen der Mädi oder Kleine oder ...) und seit Samstag Abend wohne ich bei Evi. Es ist alles noch sehr neu für mich und vieles auch ein Bisschen furcht-erregend. Aber ich hab schon begriffen, dass Evi auf mich aufpasst. Ich bin ganz stolz auf mich, denn dass ich die Wohnhöhle noch kein einziges Mal schmutzig gemacht hab, war gar nicht so leicht - draußen hab ich mich nämlich anfangs zu sehr gefürchtet und hatte einfach keine Ruhe für notwendige Geschäfte! - Aber schneller als ich es gedacht hätte, fange ich an mich an die vielen neuen Gerüche und Geräusche zu gewöhnen! - Bis jetzt habe ich nämlich in Ungarn auf dem Land gelebt und das ist schon SEHR anders! Aber an die Zeit mag ich mich nicht so gern zurück erinnern: immer, wenn mir da etwas einfällt, muss ich mich ducken - so sehr erschrecke ich.

Am liebsten bin ich in Evis Nähe - Nicht, dass sie mir wieder verloren geht! - oder irgendwo, wo's ordentlich nach ihr riecht (z. B. in der Nähe ihrer Schmutz-Wäschekiste). Nur, dass ich einfach nicht in ihr Bett darf - nicht einmal, wenn sie nicht drin liegt - das find ich blöd. Aber vielleicht überzeug ich sie noch! 

      Kommentar aus dem Off: SICHER NICHT!

Auch mit Jonathan komm ich gut aus: er kann herrlich kraulen! hmmmm.... - da möcht ich Katze sein und schnurren können! Und groß und stark ist er - ich bin fast ganz      sicher, dass mir in seiner Nähe nix passiert. Und klar ausdrücken kann er sich auch. Ich weiß meistens, was er von mir will und das tu ich dann auch. Ich bin nämlich ein ziemlich braver kleiner Hund; schließlich möcht ich gern in dem Rudel bleiben können und da darf man nicht unangenehm auffallen.

Gestern war ganz was Komisches los. Wir waren in einem recht feinen neuen Revier mit kühlem Häuschen und Gras und Bäumen und so;  eigentlich war trotz der "Hunds"tage (blödes Wort; kein Hund mag's sooo heiß!) alles recht fein, da hat sich Evi plötzlich auf den Boden gesetzt. Das kenn ich ja schon: dann ist Kraulestunde. Ich also nix wie hin! Aber statt mich zu kraulen, ist sie von mir weg gerückt. Immer und immer wieder. Ob das mit dem kalten glatten Ding vor ihrem Gesicht zu tun hatte, das mich beim Abschlecken behindert hat? Jedenfalls hat sie mit dem Kästchen noch eine Weile herum gefuhrwerkt und ich hab mich einstweilen auf einen Sessel gelegt und mich gewundert - und gelangweilt!

Kommentar aus dem Off: Drum ist das Langeweile-Foto auch das einzige halbwegs brauchbare aus der Serie.

Heute war's dafür gar nicht langweilig: Zuerst hab ich Heidi kennen gelernt; sie riecht ein Bissi wie Jonathan und ein Bissi wie Evi, aber doch ganz anders. Sie ist auch lieb,      aber ich war so verwirrt, weil Evi plötzlich weg war, dass ich mich lieber dorthin verzupft hab, wo's ordentlich nach ihr gerochen hat. Evi hat mir bevor sie verschwunden ist, irgendwas erklärt, aber so ganz verstanden hab ich das leider nicht.

Als wir nach dem Nachmittagsspaziergang in das Revier mit den vielen Bäumen zurück gekommen sind, hat's ganz stark nach dem Hundebuben gerochen, der schon in allen Revieren war, bevor ich dort hingekommen bin; zuerst hab ich mich gefürchtet, aber dann war ich doch neugierig ... Und kurz darauf war er selber da und er war gar nicht so unsympathisch. Wer weiß, vielleicht eines Tages ... Seine zwei Menschen Sophie und Andi hat er auch mitgebracht. Sehr nette Leute! Sie wissen auch, wie man kuschelt und mit Hunden redet! Er hat ein Spiel mit einem runden Ding mit ihnen gespielt, das scheinbar allen großen Spaß gemacht hat. Aber ob ich das auch irgendwann lustig finden könnte scheint mir sehr zweifelhaft!

Ihr seht: ich bin gerade zwei Tage da und hab schon sehr viel zu erzählen! Aber keine Angst: so wird's nicht weiter gehen. Evi meckert jetzt schon, dass sie Wichtigeres zu tun hat als mein Diktat aufzunehmen. Sie ist ja keine Sekretärin, sagt sie. Was will sie denn sonst tun? Weiter in dem komisch riechenden Zeug am Herd herum rühren vielleicht? Oder die Pfoten in das glitschige Obst stecken statt in meinen Pelz? Wenn sie natürlich das Gewitter weg zaubern könnte, bevor es los bricht: das wäre echt fein! I

ch freue mich sehr darauf, Euch kennen zu lernen bzw. Euch wieder zu sehen und weil ich sicher bin, dass Ihr alle nette Leute seid, und schick ich Euch einen Nasenschlecker!  Eure Nani  PS: Der Text stammt von gestern Abend; vielleicht hat sie's ja doch geschafft, das Gewitter weg zu hexen? Oder ich hab's verschlafen. Aber der Sturm war auch ohne Blitz und Donner nicht ohne! Da muss Evi noch üben! 

Kommentar der frisch gebackenen Hunde-Frau: Gerade erst aus Griechenland zurück, am ersten Tag schon die ersten Schülerinnen und am 3. Tag ein neuer Hund? - Ehrlich gesagt, ich habe mich in den letzten Wochen schon gefragt, ob ich ganz richtig bin im Kopf! Und dann sind wir (mein Sohn und ich) nach Wien in die Wohnung zurück gekommen und die war richtig unheimlich: nirgendwo ein Kätzchen zu sehen, zu hören oder zu spüren - jedes Mal, wenn ich geglaubt hab, jetzt kommt es aber um die nächste Ecke, ... -  war's dort noch leerer als vorher.  Meine Kinder waren an dem Abend mit gutem Grund anders beschäftigt und ich war auf einmal sehr erleichtert bei dem Gedanken, dass bald wieder ein Haustier mein Leben teilen wird! Jetzt habe ich die ersten beiden Tage mit der kleinen Nani (sie ist nicht schwerer als eine kräftigere Katze und nur unwesentlich größer) verbracht, die ich schon vor meinem Urlaub nur auf Grund des Fotos und der Kurzbeschreibung innerlich (und tw. auch formal) adoptiert habe, und ich bin überzeugt, dass die Entscheidung wieder ein Tier aufzunehmen (und zwar diesmal einen Hund und zwar genau diesen) die richtige war.

Nani ist zwar immer noch etwas schüchtern und erschrickt leicht, aber schon die Entwicklung der letzten beiden Tage lässt mich hoffen, dass sie die schlimmen Erfahrungen der Vergangenheit bald überwindet. Jetzt schon ist sie sehr vertrauensvoll, lieb und verkuschelt - aber nie aufdringlich; wenn sie sich richtig eingewöhnt hat, ist sie sicher eine fröhliche und trotzdem sehr angenehme Gefährtin!

Mail vom 2. 9. 2013:

Hallo Leute!

Also, ich glaub ich hab gehalten, was ich versprochen hab: ich hab mir mit meinem zweiten Mail etwas Zeit gelassen. Es war aber auch urviel zu tun - nicht nur für Evi; ich bin auch ganz schön dran gekommen: Schülerinnen und Schüler begrüßen zum Beispiel, die zu Evi ins Haus kommen um mich zu kraulen und um zu versuchen mit mir zu spielen (aber ätsch: ich spiel nicht mit jedem!); oder auf Evi aufpassen, wenn sie in den beiden Revieren mit den vielen Bäumen Äpfel und Birnen klaubt (auch wenn Evi mich immer ermahnt: ich bin sicher, wenn ich nicht die ganzen Wespen vertreiben würde, indem ich so tu, als wollte ich sie fangen - sie wäre schon längst gestochen worden!). Dann muss ich natürlich dafür sorgen, dass Evi nicht fad wird: also immer wieder und wieder trainieren: ich mach brav "sitz" oder geh "bei Fuß" und sie muss Leckerlis rausrücken; sie hat's aber schon ganz gut begriffen - ich muss nur aufpassen, dass sie's nicht verlernt! Es hat sich da als recht wirksam erwiesen, dass ich mich in mancher Hinsicht etwas vergesslich gebe; besonders gut ist der Trick mit dem "Platz" - ich tu so, als ob ich das überhaupt nicht durchschaue - dann ernte ich 1.) ein besonders feines Leckerli, wenn ich's trotzdem tu und 2.)  krault sie mir dann außerdem immer den Bauch (weil vom "Platz" zum Bauchkraulen ist der Weg sehr kurz - nur 1/4 Umdrehung ;-)!

Ich hab auch schon einen Haufen neue Hunde-Freunde, wobei: am liebsten ist mir der Benni; mit dem kann ich über die große Wiese toben, dass die Grasbüschel fliegen! Ein paar freche Buben gibt's auch im Revier, die einfach nicht kapieren wollen, wenn eine Dame nix von ihnen will; aber mit denen werd ich schon fertig. Das schaff ich sogar mit diesem halbstarken Husky-Jüngling, den wir immer wieder einmal bei Evis Freunden treffen. Er ist ja süß, aber ich glaub er weiß einfach nicht, wie stark er ist. Aber jedenfalls ist er klug genug, sich von älteren und erfahreneren Leuten etwas sagen zu lassen! - Und für mich ist nach den Erfahrungen mit Aragorn der wilde junge Schäferhund in der Hundeschule ein bevorzugter Spielgefährte.

Nur mit dem Seppi läuft's nicht ganz so, wie ich mir das wünschen würde; ich glaub, er nimmt mir übel, dass er nicht mehr der einzige Hund im Familienrudel ist. - Als ob ich da was dafür könnte! Ich mein, er begrüßt mich ja wenigstens mit einem freundlichen Wedeln, wenn wir uns treffen. Aber spielen mag er einfach nicht mit mir, obwohl ich sooo verlockend um ihn rum geflitzt bin kürzlich. Na ja, den krieg ich auch noch rum wie      alle anderen! - Das wär ja gelacht, wenn mir das nicht gelingen würde! Ihr seht, mir geht's hier immer besser - wenn die blöden Mopeds mit dem aufgebohrten Auspuff nicht wären - selbst im Straßenverkehr könnte mich jetzt nichts so schnell was aus der      Ruhe bringen; sogar die Engstelle bei der Bushaltestelle meistere ich schon ganz souverän und entspannt! Wenn jetzt noch Evis beleidigtes Knie wieder brav ist und sie wieder mit mir herum toben kann wie am Anfang, dann ... Ja, dann muss ich wohl dafür sorgen, dass es wieder neue spannende Unterhaltungen gibt. Oder: ob sich Evi dazu abrichten lässt? Versuchen kann ich's ja!

alles Liebe Euch allen!

Eure Nani

 Kommentar der Hunde-Frau nach einem Monat des Zusammenlebens: Gerade habe ich die Zusammenfassung meiner Eindrücke von den ersten beiden Tagen gelesen; ich kann nur sagen: meine Erwartungen wurden vollinhaltich bestätigt - wenn nicht sogar übertroffen. Nani hat sich großartig entwickelt und tut das auch weiterhin. Ich kann mir fast nicht mehr vorstellen, dass ich sie am ersten Tag Schritt für Schritt mit Leckerlis voran locken musste und dass jedes Auto und jedes Lebewesen, das uns begegnet ist, ein Grund zum Erschrecken und zum Ducken waren. Heute läuft ein selbstbewusster kleiner Hund vor, neben oder hinter mir her; in Nebenstraßen meist ohne Leine, weil ich schon nach so kurzer Zeit sicher bin, mich auf sie verlassen zu können. Wahrscheinlich wären auch Hauptstraßen kein Problem mehr, aber ich mag kein Risiko eingehen.       Sie beschnüffelt alles interessiert, ist freundlich mit anderen Hunden - weiß aber ganz genau, mit wem sie engeren Kontakt möchte und zeigt das auch ganz klar. Sie ist lernbegierig und fröhlich, kann aber auch stundenlang friedlich neben mir liegen, wenn ich anderes zu tun habe; und sie ist freundlich zu meinen SchülerInnen ohne sie durch allzu heftige Spielaufforderungen vom Lernen abzulenken. 

Sie liebt den Wald und ich liebe die Waldspaziergänge mit ihr, für die ich mir sonst sicher nicht die Zeit nehmen würde: Die angenehme Kühle an unseren ersten gemeinsamen "Hundstagen", jetzt immer öfter den Geruch des Herbstes, des alten Laubs und der wachsenden Feuchtigkeit. Und ich freue mich auf die vielen Dinge, die wir noch miteinander erleben und voneinander lernen werden! Mit jedem Wesen, auf das wir uns einlassen, geht ja eine Tür zu einer neuen Sicht auf die Welt für uns auf. Und ich freue mich darauf, das Leben nun wieder aus einem neuen Blickwinkel kennen zu lernen!

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