Finja
Liebe Frau Hengstschläger,
am 6. Juni jährt sich der Tag, an dem Finja, die kleine Schäferhündin, in den Himmel gegangen ist. Lange habe ich keine Kraft gehabt, Ihnen darüber zu berichten. Nun habe ich mich endlich hingesetzt um ein paar Fotos zusammenzusuchen und Ihnen zu schreiben.
Finja war eine so sanfte Seele. Einfach immer nur lieb. Lieb zu Menschen, vor allem für Kinder war sie ein so lieber "Therapiehund", und entspannt bei anderen Hunden. Zu Beginn unseres gemeinsamen Lebensweges war sie unsicher bei Hundebegegnungen, aber als sie erkannt hatte, dass ich als " verantwortlicher Oberhund im Rudel" bei unangenehmen Begegnungen mit fremden Hunden für Ordnung sorge, konnte sie rasch entspannen und ab diesem Zeitpunkt alles Frauchen überlassen. Zuletzt konnte sie mit ihrer ausgeglichenen Art sogar für so manchen nervösen Hund als Therapeutin wirken.
Von Beginn an war sie begeistert, Neues kennenzulernen. Es ist so berührend zu sehen, mit welcher Freude auch ein älterer Hund noch das Leben "einsaugt". Autofahrten, Wanderungen, Gondelfahrten, Badeausflüge, alles war gut und wurde mit Begeisterung mitgemacht. Selbstverständlich alles angepasst an ihre körperlichen Möglichkeiten. So wurden die Wanderungen im Laufe der Zeit kürzer, aber mit genauso großer Begeisterung gemacht, wie zu Beginn. Im letzten halben Jahr ihres Erdenlebens hat Finja deutlich abgebaut, aber sie war immer noch sehr unternehmungslustig. Das Ende kam dann rasch und für mich leider doch überraschend. Innerhalb weniger Tage kam der völlige körperliche Zusammenbruch und wir mussten sie gehen lassen. Und, ganz Schäferhund, hat Finja wohl auf die Erlaubnis zu gehen gewartet und sich dann sehr schnell auf den Weg gemacht.
Wenn man denkt, ein geliebtes tierisches Familienmitglied gehen zu lassen, wird leichter, je öfter man dies durchgemacht hat, dann irrt man. Es wird von Mal zu Mal schwerer. Jedes Mal geht ein Stück des Herzens mit und die vielen Narben verursachen wohl einen immer größeren Schmerz. Ich habe Finja ungefähr vier Jahre und zwei Monate begleiten dürfen und, wie von allen Hunden vor ihr, auch von dieser weisen alten Dame viel lernen dürfen. Darüber, Vergangenes hinter sich zu lassen, das Leben neu und positiv zu beginnen. Darüber, verzeihen zu können ( Ich denke, dass Finja in ihrem Leben vor dem Tierheim in Ungarn, nicht nur als Wachhund vernachlässigt, sondern aktiv misshandelt wurde.), darüber, wieder vertrauen zu können.
Der einzigen Trost, der bleibt, ist, dass ich versucht habe, Finja die letzten Jahre ihres Lebens mit viel Liebe (und ein bisschen Einfallsreichtum) möglichst nett zu gestalten und sie das alles so gerne angenommen hat. Und dass ich mir sicher bin, dass wir alle unsere lieben tierischen Freunde irgendwann, irgendwo wiedersehen werden.
Mit wehmütigen lieben Grüßen
Elisabeth Engel
P.S.: Im Anhang ein Foto von unserem letztem Ausflug ins Helental, aufgenommen ungefähr eine Woche vor Finja´s Tod.





